Freitag, 25. Juli 2008

Dreckig, druff und durch. Rüppelvoll, rammelig und randexistent.



Oder auch: Das heitere Treiben und Getriebenwerdens eines Festivals

Mit Rückenschmerzen, einem dröhnenden Kopf und einem unbekannten Schlafsackmitschläfer erwacht Mann oder Frau in einem Zelt, in welchem die Temperaturen an tropische Grenzen reichen, auf und es wird einem sofort klar was gestern zwischen diesen dünnen Wänden lief: Zeltakrobatik.

Überall wo sich Alkohol, leichtsinnige Gemüter und lange Nächte treffen ist auch wildes Rumrammeln kein Fremdbegriff. Und so werden auch an Festivals immer wieder schöne Geschichten über neue Fickfreunde und altbewährte Praktiken geboren. Eines haben sie jedoch meistens gemeinsam: Sie sind dreckig, unpraktisch und hören sich oft im zugedröhten Zustand nach einer bessere Idee an als beim verschwitzen Erwachen danach.

Problem Nr.1: Der aufheiterende Alkohol und ein runterheitender Effekt

Alkohol kann einem leider mehr als nur die Hemmungen nehmen. Die Situation: Man läuft und stolpert mit dem neu gewonnenen Festivalflirt über Zelte und Alkohol-Leichen in der Hoffnung sein eigenes Zelt zu finden um sich da notgeil gegenseitg die Kleider vom Leibe zu reissen. Gesagt, getan. Man kommt zum dramatischen Höhepunkt der Nacht. Jedoch kann dieser Akt kein Ende finden, denn da müsste zum Anfang auch die kleine Zeltstange in der Hose richtig stehen können. Und so endet dies öfters in einer peinlichen Situation als in einem freizügigem Liebesspiel. Und da hätte ich doch eine Bitte an die hübschen Jungs von Turbonegro. Wenn ihr das nächste Mal an einem Festival spielt, singt doch anstatt "I got Erection" lieber "I got no Erection". Wir wollen doch nicht unnötige Hoffnungen erwecken.

Problem Nr.2: Hygiene

Selbsterklärend, oder? 4 Tage Randexistenz verstehen sich nicht gut mit Seife und Rasierer.

Problem Nr.3: Location, Location, Location.

Über dieses Thema könnte man einen ganzen Roman schreiben. Auch wenn es an Festivals nicht an Zelten mangelt, fehlen jedoch oft, wenn es draufankommt, die freien Lusthöhlen. Und sich schnell im Auto auf dem Parkplatz zu vergnügen ist meistens eine sehr umständliche Arbeit, ended in blauen Flecken und Schmerzen am nächsten Tag, und zieht rasch Schaulustige an. Andere Option? Die Liebe unter dem freien Himmel endet höchstwahrscheinlich am Montag danach auf youtube und Dixi Klos sind auch nicht gerade das Wahre.

Bei meiner Lieblings-Zeltakrobatik Geschichte trägt meine Freundin, Madame Vollmond, die Hauptrolle. Als ich einmal um drei Uhr Morgens bei unseren temporären Schlafgemächten vorbei torkelte stand Madame's Zeltmitbewohnerin, die Arme, vor besagtem Zelt. Auf die Frage was sie denn da tue, antwortete sie ohne Worte mit einem Fingerzeigen auf ihr Vorzelt. Und was ich da erblickte war nichts für sanfte Gemüter. In dieser dunklen Festivalnacht ging bei uns ein Vollmond im Vorzelt auf und bewegte sich rhytmisch-rammelig durch die frühen Morgenstunden. In diesem Moment tat mir eigentlich nur die Zeltmitbewohnerin leid; sie wollte doch eigentlich nur ihre Jacke holen; wurde aber stattdessen mit einem Festivalakt der Sonderklasse begrüsst. Am nächten Tag wachte Madame Vollmond mit einer genervten, jedoch sichtlich amüsierten Isomattennachbarin und einem klebrigen Souvenir der letzten Nacht im Gesicht auf.

Wenn man jetzt aber früh am Morgen mit seiner neu gefundenen Festivalficknummer ins Zelt schlüpfen will und da schon jemand schläft hat man ein grösseres Problem. Auch die grössten Überredungskünste und schlimmstes Bitten und Flehen können da oft die Zeltmitbewohner nicht davon überzeugen das Weite zu suchen. Eine mir bekannte Situation? Gemeinsam mit Madame Vollmond, ihrem Steinzeit-Emo und Herr Nasenpiercing Nr.34230 suchte man um 6 Uhr früh einen angemessenen Platz um sich körperlich auszutoben. Jedoch schlummerten bei beiden von uns im Zelt schon je zwei Brüste. Die Idee, die beiden zusammen in ein Zelt zu schmeissen und im anderen Zelt eine wilde Orgie zu beginnen wurde von mehreren Seiten abgelehnt. Was macht Madame Vollmond mit ihrem schwarz gekleidetem Dinosaurier? Sie suchen nach ihren Wurzeln (oder besser gesagt seiner Wurzel...) und verzogen sich in einen nahgelegten Wald. Herr Nasenpiercing Nr.34230 ging an dem Morgen ohne Headliner in den Schlafsack, und ich kuschelte mich an meine Zeltmitbewohnerin an.

Was kann man daraus lernen? Das feucht fröhliche Rumrammeln an Festivals ist meistens eine dreckige, ungewaschene und leicht haarige Entäuschung und man könnte, in Retrospekt, darauf verzichten. Aber wir wollen doch nicht so sein, und so wird dieses Treiben auch in den nächsten Jahren noch amüsante Anekdoten liefern. Und Jungs, eine Bitte hätte ich noch an euch. Wenn ihr das nächste Mal an einem Festival nachts nichts oder niemanden besseres zu tun habt, dann macht euch nackig, schaut das die Latte stimmt, sucht euch ein schönes Zelt aus, hofft auf weibliche Bewohner und fragt nach ob jemand noch eine Zeltstange brauchen könnte.

In Liebe, Lust und Likör,

Eure Gossenschlampe

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