UND KEIN EINZIGER PRINZ DABEI.
Von Anfang an:
Gestern war wieder mal eines dieser berühmten Dienstags-Desaster. Vier Brüste, zwei Bands und ein paar Bier zu viel führten zu einer ereignisvollen Nacht.
Wer kennt das nicht; Man macht sich ready-steady für einen alkoholreichen Abend mit der besten Freundin und weiss schon zu Beginn, dass es schlussendlich ja doch in irgendeiner Art und Weise ausarten wird. Ob es jetzt der Alkoholkonsum oder der Männerverschleiss sein wird (das lässt sich natürlich auch sehr schön kombinieren) ist eigentlich nebensächlich. Hauptsache Extrem. Und in diesem schönen Wort versteckt sich schon der Retter in der Not von letzter Nacht. Jaja, was würde man nur ohne diese noch immer verliebten Ex-Freunde machen. Diejenigen, die mitten in der Nacht 30km zurücklegen nur um die erste grosse Liebe und ihre schon immer verhasste bessere Hälfte nach Hause fahren zu können. Die Hoffnung auf Dankeschöns-Sex sei ihnen gelassen.
Nun bevor unser edler Ritter eintraf, mussten wir uns ja zuerst einmal in Not begeben. Mit dem Vorsatz den Alkoholvorrat der Stadt zu trinken, leerten wir das erste Bierchen, prosteten bekannten Gesichtern zu und schon ging’s auch mit der Vorband los. Wenn ich mich nur an ein Lied erinnern könnte, aber ich glaube sie waren gar nicht so schlecht. Blondie hat auf alle Fälle gesagt sie wären besser als die Hauptband gewesen. Ich unterhalte mich also mit Blondie über die überdurchschnittlich gut aussehenden Gitarristen, währenddessen Beste-Freundin sich von irgendeinem Indie-Verschnitt zu ‘ner weiteren Flasche einladen lässt. Nachdem wir eine Reihenfolge der Best-Aussehenden fertig gestellt hatten, teilt mir Blondie mit, dass Nr. 1 seit kurzem ihr Freund ist. Na gut, einer weniger. Nicht weiter schlimm, es war ja noch die Dallas Green Kopie da. Leider ohne Tattoos, dafür aber auch mit weniger Bierbauch. Passt.
Ein paar Flaschen später war dann auch die Hauptband fertig. Somit kommen wir zum dunklen, verschwommenen Teil des Abends. Wir torkeln also von einem Club in den nächsten und erklären die Jukebox zu unserem neusten Quäl-Instrument. Nachdem ich die rockige Kundschaft mit dem ganzen Falco-Album beglückt hatte, beschlossen wir zurück zu Dallas zu gehen. Wobei ‚gehen‘ in diesem Fall eine neue Definition verdient hätte. ‚Rock me Amadeus‘-singend fanden wir uns schlussendlich auf der Tanzfläche wieder. Indie-Versschnitt war mittlerweile mit einer anderen beschäftig, was natürlich an Bester-Freundins Ego kratze. Als Beste-Freundin ist man schliesslich dazu verpflichtet der Konkurrenz Übernamen wie ‚Fett-Arsch‘, ‚Penalty-Gesicht‘ und weiteren schönen Bezeichnungen zu geben, also legte ich mal los. Als ich gerade so richtig in Fahrt kam und mit fantasievollen Wortkombinationen um mich warf, wurde ich von einer Hand unterbrochen. Wichtiger ist wohl die Bierflasche in der Hand zu erwähnen, die vor meinem Gesicht hin und her wedelte. Pony-Frisur wollte das Bier mit mir teilen und überschüttete mich mit Komplimenten zu meinem exakten Haarschnitt. Nächstenliebe wird im Ausgang ja immer gross geschrieben, also nahm ich einen Schluck und hielt Ausschau nach Dallas. Gefunden.
Als ich gerade dabei war Dallas zu sagen, dass er aussieht wie Dallas stand Pony-Frisur wieder neben mir. Pony-Frisur war eine Frau. Und Pony-Frisur war zu allem Übel noch Dallas‘ Freundin. Na toll.
Da Beste-Freundin eh schon seit einer halben Ewigkeit rumstammelte, sie wolle jetzt nach Hause gehen, suchten wir unser Zeug zusammen und standen schon draussen. Wie immer zu spät liefen wir zum vereinbarten Treffpunkt. Auf dem Weg zum Parkplatz überlegte ich mir passende Superhelden-Namen für Beste-Freundin's Ex, da unser letzter Zug schon vor X-Stunden gefahren war, und wir um nach Hause zu kommen ein kleines Vermögen für ein Taxi ausgegeben hätten oder bei einem weniger edlen Ritter um ein Schlafplätzchen betteln müssten.
Sichtlich angepisst vom Warten kam aber nur eine karge Begrüssung von Zorro. Von unserer Seite ein liebevolles Dankeschön. Die folgenden 15min Autofahrt verbrachte ich mit dem Kopf neben dem offenen Fenster um meiner Übelkeit zu entkommen, 1. vom Alkohol und 2. machte Beste-Freundin Robin Hood ununterbrochen liebevolle Komplimente wie hübsch er doch sei, und wie schön ihm seine Frisur heute gelungen wäre. Und so ass ich mein Kägi-fret, welches ich vorhin beim Selecta-Automat mit einem zufälligen Zahlendrücken erhalten hatte und wünschte mich in mein Bett. Die Hälfte von meinem Snack liegt wohl noch irgendwo auf dem Rücksitz. Radio-Active-Man wird sich freuen.
Zu Hause angekommen ging‘s als erstes mal aufs WC, wo ich unter anderem mein Abendessen verabschiedete. Erleichtert, dass nun das Karussell in meinem Kopf endlich eine Pause einlegte, lag ich auf dem Teppichboden und sah in dieser Position perfekt unter den Tisch. Und siehe da, ich hatte meinen Kajal-Stift wieder gefunden. Immerhin ein Erfolg an dem Abend.
In Liebe, Lust und Likör,
Eure Hafennutte
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